Produktkonfigurator planen: Regeln, Preise, Ausgabe und Pflege

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Wer einen Produktkonfigurator planen möchte, denkt zuerst an die Oberfläche: Auswahlfelder, Vorschau, Preis. Die eigentliche Arbeit steckt darunter, im Regelwerk Ihrer Produkte, in der Preislogik und in der Frage, was mit einer fertigen Konfiguration geschieht. Wird das vorab sauber geklärt, entsteht ein Werkzeug, das Kunden und Vertrieb gleichermaßen hilft.
Dieser Beitrag richtet sich an Hersteller, Schreinereien, Händler mit eigener Fertigung und Anbieter erklärungsbedürftiger Produkte. Er führt durch die Planungsfragen in der Reihenfolge, in der sie sich stellen. Ein Konfigurator ist übrigens eine klassische Webanwendung mit festen Regeln. KI braucht er dafür nicht.
Zuerst das Ziel: Anfrage, Angebot oder Bestellung?
Bevor es um Optionen geht, sollte feststehen, was am Ende herauskommt. Drei Ziele sind typisch:
- Vollständige Anfrage: Der Kunde stellt sein Produkt zusammen, der Vertrieb erhält alle Angaben strukturiert und bestätigt den Preis anschließend selbst.
- Unverbindliche Preisauskunft: Der Kunde sieht einen Preis, der als Orientierung dient. Das verbindliche Angebot folgt getrennt.
- Direkte Bestellung: Die Konfiguration landet mit Preis im Warenkorb eines Shops.
Je weiter das Ziel reicht, desto genauer müssen Regeln und Preise stimmen. Mein Rat: Beginnen Sie mit der Anfrage, wenn Sie Preise heute noch häufig von Hand anpassen. Erweitern lässt sich später immer.
Eine Abgrenzung vorweg: Wer keine Produktvarianten zusammenstellt, sondern ein Vorhaben nach Fläche oder Aufwand kalkuliert, ist mit einem Angebotsrechner oft besser bedient.
Produktkonfigurator planen: Regeln und Abhängigkeiten erfassen
Das Regelwerk ist das Herz jedes Konfigurators. Es beschreibt, was erlaubt ist und was nicht. Vier Arten von Regeln kommen fast immer vor:
- Wertebereiche und Schritte: zum Beispiel eine Breite zwischen 120 und 300 Zentimetern in Zehnerschritten.
- Voraussetzungen: Eine Option ist nur wählbar, wenn eine andere gewählt ist.
- Ausschlüsse: Zwei Optionen passen nicht zusammen, etwa eine Oberfläche, die es für eine bestimmte Holzart nicht gibt.
- Folgeregeln: Eine Auswahl löst automatisch eine andere aus.
Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Ein Hersteller von Esstischen bietet Platten bis 280 Zentimeter Länge an. Ab 220 Zentimetern ist ein zusätzliches Mittelbein nötig, Glasplatten gibt es nur bis 200 Zentimeter. Drei Sätze, drei Regeln. Fehlt eine davon im Konfigurator, landen Bestellungen im Postfach, die niemand fertigen kann.
Ich empfehle, das Regelwerk zuerst in einfacher Sprache als Tabelle aufzuschreiben, gemeinsam mit den Personen, die Produkte und Fertigung am besten kennen. Jede Sperre bekommt dabei einen kurzen Begründungstext, den der Kunde später sieht. „Nicht verfügbar“ ohne Erklärung frustriert, „Glasplatten gibt es nur bis 200 cm Länge“ nicht.
Die Datenbasis: Wo stehen Preise und Artikel heute?
Preise, Artikelnummern und Lieferbarkeiten liegen oft an mehreren Orten: in der Warenwirtschaft, in Preislisten, in Tabellen einzelner Mitarbeiter. Für den Konfigurator braucht es eine Quelle, die als verbindlich gilt.
Klären Sie, wer diese Quelle pflegt und wie Änderungen in den Konfigurator gelangen. Drei Wege sind üblich: Pflege direkt in einer Verwaltungsoberfläche der Website, regelmäßiger Import aus einer Datei oder eine laufende Schnittstelle zur Warenwirtschaft. Braucht die Fertigung Stücklisten oder Artikelnummern, sollte der Konfigurator diese von Anfang an mitführen.
Preislogik und Preisangaben
Die meisten Preise setzen sich aus wenigen Bausteinen zusammen: ein Grundpreis, Zuschläge je Option, Positionen nach Menge oder Länge sowie Pauschalen für Lieferung oder Montage. Zeigen Sie diese Bausteine aufgeschlüsselt an. Kunden verstehen dann, warum sich der Preis ändert, und Ihr Vertrieb kann jede Zahl nachvollziehen. Rechnen sollte das System in ganzen Cent, damit beim Summieren keine Rundungsdifferenzen entstehen.
Bei Angeboten an Verbraucher gibt es eine gesetzliche Vorgabe: Wer Verbrauchern Waren oder Leistungen anbietet oder ihnen gegenüber mit Preisen wirbt, hat nach § 3 Abs. 1 PAngV die Gesamtpreise anzugeben. Gesamtpreis ist nach § 2 Nr. 3 PAngV der Preis einschließlich der Umsatzsteuer und sonstiger Preisbestandteile. Wie das bei reinen Geschäftskundenangeboten oder bei unverbindlichen Preisauskünften konkret umzusetzen ist, sollten Sie im Einzelfall rechtlich prüfen lassen.
Ebenfalls wichtig ist der Preisstand. Ein Konfigurator, der vor einem halben Jahr gespeichert wurde, darf nicht stillschweigend alte Preise zeigen. Ein Datum auf jeder Zusammenfassung schafft Klarheit.
Vorschau: Zeichnung oder 3D-Modell?
Eine gezeichnete Vorschau, die sich bei jeder Auswahl anpasst, reicht für viele Produkte aus und ist schnell geladen. Ein 3D-Modell lohnt sich, wenn Form, Material und Ansicht von allen Seiten kaufentscheidend sind. Wann das der Fall ist, beschreibt der Beitrag zur 3D-Produktansicht im Onlineshop. Eine Live-Demo dazu finden Sie bei der 3D-Produktvisualisierung.
Was nach dem letzten Klick passiert
Die Ausgabe wird in der Planung oft unterschätzt. Dabei entscheidet sie, ob der Konfigurator im Alltag Arbeit spart:
- Zusammenfassung: Alle Entscheidungen und der Preis auf einen Blick, bevor der Kunde etwas absendet.
- PDF: Ein Dokument zum Weitergeben, mit Datum, Preisstand und gegebenenfalls dem Hinweis, dass es sich um eine unverbindliche Auskunft handelt.
- Link zum Teilen: Die Konfiguration lässt sich als Adresse speichern und mit Partnern oder Kollegen besprechen.
- Anfrage: Die Auswahl geht strukturiert an den Vertrieb. Abgefragt werden nur die Kontaktdaten, die für die Bearbeitung nötig sind, mit einem Hinweis in der Datenschutzerklärung.
- Bestellung: Die Konfiguration wird in den Warenkorb übernommen. Den Preis sollte dabei der Server noch einmal selbst berechnen, damit ein veränderter Link keinen falschen Betrag erzeugen kann.
Pflege und Anbindung an Shop oder Warenwirtschaft
Ein Konfigurator ist nach dem Start nicht fertig. Preise ändern sich, neue Optionen kommen hinzu, alte fallen weg. Legen Sie vorab fest, wer Werte selbst ändert und wer Regeln anpasst. Prüfen Sie nach jeder Regeländerung die bekannten Grenzfälle erneut.
Bei der Anbindung empfehle ich einen schrittweisen Weg: zunächst eine saubere Übergabe als strukturierte Anfrage oder Datei, später eine laufende Schnittstelle, wenn das Volumen sie rechtfertigt. Soll direkt bestellt werden, hängt viel davon ab, wie Ihr Onlineshop Varianten und individuell gefertigte Artikel abbildet.
Was Sie jetzt tun können
- Demo ausprobieren: Stellen Sie in der Live-Demo des Möbelkonfigurators ein Sofa, einen Esstisch oder ein Regal zusammen und wählen Sie bewusst Kombinationen, die nicht zusammenpassen. Unternehmen, Produkte und Preise darin sind frei erfunden.
- Ziel festlegen: Anfrage, Preisauskunft oder Bestellung.
- Ein Produkt durchspielen: Schreiben Sie das Regelwerk für Ihr wichtigstes Produkt als Tabelle auf, mit Begründung je Sperre.
- Datenquelle bestimmen: Legen Sie fest, wo Preise und Artikel verbindlich gepflegt werden.
- Ausgabe und Empfänger klären: Wer erhält die Konfiguration, in welcher Form, und was passiert danach?
- Pflege zuordnen: Benennen Sie, wer Preise und Regeln künftig ändert.
Weitere Anwendungen zum Ausprobieren finden Sie im Digital Experience Lab.
Fazit
Ein guter Produktkonfigurator entsteht in der Planung, nicht in der Oberfläche. Wer Ziel, Regelwerk, Datenquelle und Preislogik vorab klärt, bekommt ein Werkzeug, das nur lieferbare Varianten zulässt, Preise nachvollziehbar zeigt und dem Vertrieb vollständige Angaben liefert. Ebenso wichtig ist die Frage, wer den Konfigurator nach dem Start pflegt. Sie entscheidet darüber, ob er auch in einem Jahr noch stimmt.
Quellen
- § 2 PAngV: Begriffsbestimmungen, Bundesministerium der Justiz
- § 3 PAngV: Pflicht zur Angabe des Gesamtpreises, Bundesministerium der Justiz






